Verstärkung und chemeische Behandlung eines Deckenbalkens

Sanierungmöglichkeiten des Echten Hausschwamm

Die Diagnose Befall durch Echten Hausschwamm wird von jedem Bauherrn gefürchtet, da sich um den bekanntesten Bauholzpilz zahlreiche Mythen und Halbwahrheiten ranken. Viele dieser Mythen, wie z.B. dass er mehrere Jahre in eine Trockenstarre fallen kann, wurden in den 70er Jahren bereits wiederlegt. Dennoch werden noch heute Maßnahmen durchgeführt, die mit diesen Mythen begründet werden und somit umfangreiche Baumaßnahmen nach sich ziehen.

DIN 68.800 Teil 4

Die Durchführung der Bekämpfungsmaßnahmen wird in der DIN 68.800-4 (Holzschutz im Hochbau) und im WTA-Merkblatt 1-2-05/D ausführlich dargestellt. Die Neuauflage der DIN aus dem Jahr 2012 sieht zunächst eine Befallsermittlung und die Erstellung eines Sanierungsplans vor. Zu Beginn der Bekämpfungsmaßnahmen sind die Beseitigung in Frage kommender Feuchtigkeitsquellen und die ggf. erforderliche Trocknung des Befallsbereiches erforderlich. Im Anschluss sind die Oberflächenmyzelien und Fruchtkörper sowie das befallene Holz mit einer Sicherheitszone von mindestens einem Meter über den sichtbaren Befall hinaus zu entfernen. Da auch Schüttungen und Dämmungen überwachsen werden, sind diese ebenfalls mit 1,5 Meter Sicherheitsabstand zu entfernen. Wird durch die Zerstörung tragender Holzbauteile die Statik beeinflusst, muss ein Statiker hinzugezogen werden. Die verbleibenden und einzubauenden Hölzer müssen mit einem geeigneten, amtlich zugelassenen Holzschutzmittel behandelt werden.

Fruchtkörper Echter Hausschwamm
Fruchtkörper Echter Hausschwamm

Sanierung des Mauerwerkes

Die Wände im Umkreis des Befallsherdes sind gegebenenfalls vom Putz zu befreien, um versteckt liegende Hölzer, Hohlräume und Balkenauflager freizulegen und die Fugen auszukratzen. Auch hierbei ist eine Sicherheitszone von 1,5 Meter über den sichtbaren Befall einzuhalten, weshalb häufig angrenzende Räume, Geschosse und Gebäude mit einzubeziehen sind. Die freigelegten Bereiche sind auf Pilzdurchwachsungen zu untersuchen. Grundlegend ist die Behandlung der Mauerwerksoberfläche mit einem Schwammsperrmittel erforderlich. Auf eine Bohrlochtränkung des Mauerwerkes kann verzichtet werden, wenn bei der Überprüfung keine Durchwachsung des Mauerwerkes festgestellt wurde. Die Sicherheitszonen sind in der Regel erforderlich, da beginnendes Myzelwachstum nur schwer nachzuweisen ist und die Quelle für einen erneuten Hausschwammbefall darstellen kann. Sämtliche befallenen Materialien müssen in geeigneter Weise entsorgt werden. Auch optisch intakt erscheinendes Material darf keinesfalls wiederverwendet werden.

Hausschwammbefall mit durchwachsenem Mauerwerk
Hausschwammbefall mit durchwachsenem Mauerwerk

Alternative Hausschwammsanierung

Da die Regelsanierung nur mögliche Durchführungswege aufzeigt, obliegt es der Verantwortung des Sachverständigen, wie die Sanierung durchzuführen ist. Daher ist eine Vielzahl alternativer Behandlungsmethoden, sowohl für das befallene Holz als auch für das Mauerwerk, entwickelt worden. Zum Beispiel ist durch den Einsatz thermischer Verfahren nicht nur die Trocknung, sondern auch die erfolgreiche Bekämpfung des Hausschwammes möglich, sofern die anschließende Trockenhaltung der Bauteile gewährleistet ist. Darüber hinaus ist seit Januar 2020 das erste biozidfreie Schwammsperrmittel zugelassen, dass lediglich auf die befallenen Mauerwerksteile aufgespritzt wird. Dadurch entfällt das aufwendige, schädigende Anbohren der Wände und kann dazu bis zu 70% der Kosten einsparen. Durch dieses Präparat können selbst Naturstein-, Bimsstein-, Lochstein- und sonstiges Mauerwerk behandelt werden, welche gemäß der Regelsanierung nicht behandelbar sind. Alle Sanierungsmaßnahmen sind ausreichend zu dokumentieren und ein Erfolgsnachweis ist zu erbringen.

Regelsanierung Hausschwamm

Insgesamt ist festzuhalten, dass die DIN 68.800-4 standardisierte Sanierungsempfehlungen enthält, die sehr viele Sicherheiten beinhaltet. Diese Sicherheiten sind erforderlich, damit Verarbeiter mit mangelnden Erfahrungen sichere Sanierungen ohne Gefahren durchführen können. Daraus resultieren umfangreiche und zum Teil unnötige Bauteilfreilegung und -entfernungen, die immense Kosten für den Bauherren verursachen. Desweiteren wird auch nicht berücksichtigt, ob der Befall aktiv oder bereits abgestorben ist.

Da durch Verarbeiter mit mangelnden Erfahrungen die Sicherheitszonen großzügig bemessen werden und keine Differenzierung erfolgt, ob der Befall noch aktiv ist, wurde ich bereits mehrfach hinzugezogen, um eine realistische Einschätzung vorzunehmen. Durch die genaue Untersuchung und Festlegung der Maßnahmen erfolgte in der Regel eine Einsparung von 50%- 80% der Sanierungskosten.

Teile dieses Artikels wurden in der Zeitschrift “Der praktische Schädlingsbekämpfer“ (Beckmann Verlag) im September 2017 veröffentlicht.

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